IBR Zerstäubungstechnik GmbH - Ihr Team für die Düsen- und Zerstäubungstechnik. Von der Analyse der Aufgabenstellung bis hin zur Beschaffung der optimalen Düse und Zerstäubungstechnik. Prozessintegration, Verfahrenstechnik und Strömungsmechanik.
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Einstoff-Druckdüsen, Turbulenzdüsen, Lamellen bildende Düsen

Grundlagen der Zerstäubung mit Einstoff-Druckdüsen

Bei diesen Düsenbauarten nutzt man generell die unter einer Druckdifferenz Δp stehende Flüssigkeit als Energielieferant für die Zerstäubung. Zusätzliche Druckluft ist also nicht erforderlich.

Aus der Druckdifferenz resultiert im Düsenaustritt eine bestimmte Strömungsgeschwindigkeit. Dieses wiederum hat zur Folge, dass ein Flüssigkeitsstrahl oder eine Flüssigkeitslamelle in die umgebende Gasatmosphäre eintritt und zu einzelnen Tropfen zerfällt.

Typische Druckdüsen erzeugen keine monodispersen Tropfen. Vielmehr liefern sie ein Spray, welches eine Tropfengrößenverteilung aufweist. Daher ist es wichtig, für konkrete Anwendungen Informationen über die vollständige Tropfengrößenverteilung zu erhalten.

Grobe Tropfen verursachen oftmals Probleme durch einen hohen Aufprallimpuls auf Oberflächen. Je nach physikalischen Bedingungen kommt es dann zu Sekundärzerteileffekten. Aufgrund der relativ hohen Masse grober Tropfen folgen diese kaum vorgegebenen Gasströmungen und lagern sich somit an Wandungen oder Strömungsumlenkungen ab.

Sehr kleine Tropfen hingegen sind häufig die Ursache für das Overspray-Problem. Diese weisen eine extrem geringe Masse auf und folgen somit nahezu ohne Schlupf auch Gasströmungen mit geringer Geschwindigkeit. Ein typisches Beispiel hierfür ist der unerwünschte Farbnebel beim Lackieren mit Druckgas bzw. Pressluft. In Abluft- und Filtereinheiten führt Overspray ebenfalls zu vermeidbaren Problemen.

Tipp: Maximale Austrittsgeschwindigkeit bzw. Volumenstrom an Einstoff-Druckdüsen

Die maximale Austrittsgeschwindigkeit vmax aus einer Düsenmündung kann als Funktion der Druckdifferenz Δp abgeschätzt werden:

Maximale Austrittsgeschwindigkeit an Einstoff Druckdüsen nach der Potenzialtheorie

Ist der (runde) Düsenaustritt vollständig mit Flüssigkeit gefüllt, resultiert hieraus ebenfalls der maximal mögliche Volumenstrom, der bei einer vorgegebenen Druckdifferenz Δp und einem definierten Bohrungsdurchmesser D austreten kann:

Maximaler Volumenstrom an Einstoff-Druckdüsen nach der Potenzialtheorie

Hierbei ist jedoch Folgendes unbedingt zu berücksichtigen! Der nach den oben genannten Formeln berechnete maximale Volumenstrom wird in der Praxis nicht erreicht.

Ursache hierfür sind Reibungsverluste durch die Viskosität der zu zerstäubenden Flüssigkeit. Diese “bremst” die Flüssigkeit beim Durchströmen der Düse ab. Die reale Austrittsgeschwindigkeit und somit auch der tatsächliche Volumenstrom ist demzufolge kleiner. Hieraus resultieren zwei weitere Probleme.

  • Die in Katalogen von Düsenlieferanten oftmals angegebene Formel
  • Einfache Formel zur Umrechnung des Volumenstroms an Einstoff-Druckdüsen als Funktion der Druckdifferenz

    zur Umrechnung der gelieferten Volumenströme für beliebige Druckdifferenzen gilt in der Regel nur für Wasser als zu zerstäubendes Medium! K bezeichnet dabei einen düsenspezifischen Beiwert, welcher lediglich für eine bestimmte Düse Gültigkeit hat. Dieser ist in der Literatur auch als Durchflussziffer μ bekannt.

    Kommen Flüssigkeiten mit anderer Viskosität zum Einsatz, versagt die Formel. Ebenso ist es problematisch, wenn Umrechnungen für geringe Druckdifferenzen erfolgen. Dieses näher zu erläutern würde den Rahmen der Darstellung sprengen. Es sei jedoch kurz darauf hingewiesen, dass die Reynolds-Zahl

    Die Reynolds-Zahl. Eine wichtige dimensionslose Kennzahl für die gesamte Strömungsmechanik und die Zerstäubungstechnik.

    hier eine bedeutende Rolle spielt.

  • Sinkt die Strömungsgeschwindigkeit aufgrund der erläuterten Effekte unter einen bestimmten Grenzwert, findet an der Düse keine typische Zerstäubung mehr statt. Die Düse versagt.
    Es ist zwar grundsätzlich möglich durch zusätzliche Einbauten in der Düse den Turbulenzgrad zu erhöhen und somit die Zerstäubung zu unterstützen. Diese Einbauten selbst verursachen jedoch einen weiteren Druckverlust, was die Problematik unter Umständen verstärkt.

Daher ist es wichtig, die für eine bestimmte Anwendung vorgesehene Einstoff-Druckdüse den geforderten Gegebenheiten individuell anzupassen. Insbesondere dann, wenn aus rheologischer Sicht problematische Flüssigkeiten zu zerstäuben sind.

Strahl bildende Turbulenz-Düsen

Druckdüsen unterscheidet man in Strahl- und Lamellen bildende Düsen. Die konstruktiv einfachste Turbulenzdüse zeigt die folgende Abbildung.

Die zu zerstäubende Flüssigkeit tritt mit einer bestimmten Geschwindigkeit aus der Mündung der Düse aus. Es bildet sich zunächst ein Flüssigkeitsstrahl. Dieser zerfällt zu relativ groben Tropfen.

Unterschreitet die Reynolds-Zahl einen kritischen Wert, kommt es nicht mehr zur Zerstäubung. Die Düse versagt.

Konstruktiv einfache Turbulenzdüse

Besteht die Aufgabe darin, einen möglichst großen Impuls zu übertragen, beispielsweise bei der Oberflächenreinigung oder beim Schneiden von Werkstoffen, ist ein möglichst kompakter Strahl gewünscht.
Daher weisen derartige Düsen keine scharfen Umlenkungen oder Rezirkulationsgebiete auf; siehe Abbildung.

Strahldüse zur Übertragung eines hohen Impulses.

Das rasche Aufbrechen des Flüssigkeitsstrahles mit einer Sprühbildung im Nahbereich der Düsenmündung erreicht man, indem die Flüssigkeit in der Düse umgelenkt wird. Ebenso unterstützen Querschnittsänderungen der Strömungskanäle oder Coanda-Mündungen das Aufbrechen des Strahles.
Kniedüse zur Erhöhung des Turbulenzgrades

Bei der Knie-Düse wird die Flüssigkeit mehrfach umgelenkt.

Borda-Mündung an einer Turbulenzdüse

Borda-Mündung: Hiermit erreicht man einen hohen Turbulenzgrad bei der Einströmung der Flüssigkeit in die Düsenaustrittsbohrung.

Lamellen bildende Einstoff-Druckdüsen,
Hohlkegel-Druckdüsen, Flachstrahl-Düsen

Diese erzeugen keinen kompakten Flüssigkeitsstrahl, sondern vielmehr eine Flüssigkeitslamelle. Typische und bekannte Vertreter dieser Gattung sind die Flachstrahl-Düsen (FSD), die Zungendüsen und besonders die Hohlkegel-Druckdüsen (HKD).
Die HKD liefert ein relativ feines Spray. Jedoch ist die Auslegung und Berechnung dieser Düsen sehr komplex.

Der hohlkegelförmige Spray entsteht dadurch, dass sich im Inneren der Düse ein Luftkern ausbildet. Das Foto zeigt diesen Luftkern an einer mit einem Glasdeckel versehenen Hohlkegel-Druckdüse.

Hohlkegel-Druckdüse. Im Inneren der Düse bildet sich ein Luftkern aus, der bis an den Deckel der Düse reicht. Dieser ist dafür verantwortlich, dass sich das typische hohlkgelförmige Spray ausbildet.

Achtung! Im Gegensatz zu anderen Einstoff-Druckdüsen nimmt der Volumenstrom bei konstanter Druckdifferenz und steigender Viskosität der Flüssigkeit bis zu einem Grenzwert zu!
Dieses nennt man das HKD-Paradoxon.

Strömungstechnische Ursache für dieses Phänomen ist, dass die Lamellendicke im Düsenaustritt anwächst. Der Volumenstrom steigt an und die Tropfendurchmesser werden größer. Ab einem bestimmten Zustand versagt die Düse.

Besonders beim Vorwärmen von Flüssigkeiten ist dem HKD-Paradoxon Rechnung zu tragen. Flüssigkeiten werden mit steigender Temperatur üblicherweise dünnflüssiger. Die Lamellendicke nimmt ab, das Tropfengrößenspektrum wird feiner und der Volumenstrom (bei konstanter Druckdifferenz) verkleinert sich.
 

Lamellenzerfall an einer Pralldüse im Bereich der Randwulstkontraktion. Copyright IBR Zerstäubungstechnik GmbH

Das Bild zeigt den Zerfall einer Flüssigkeitslamelle im Zerfallsbereich der Randwulstkontraktion. Hierbei entstehen relativ grobe Tropfen.

Deutlich erkennbar ist der kompakte Lamellenbereich mit Störstellen (Lochbildung), der geschlossene Rand der Lamelle und die sich ablösenden Flüssigkeitsfragmente. Diese zerfallen in der Regel nach dem Prinzip des laminaren Strahlzerfalls.

Zur Anfertigung des Bildes und zur kontrastreichen Darstellung wurde eine spezielle Fototechnik der IBR Zerstäubungstechnik GmbH genutzt. Diese setzen wir beispielsweise auch dazu ein, um Strömungen sichtbar zu machen.